04.07.2022

| 38/2022

Baustellenrundgang durch das neue Synagogenzentrum in Potsdam

Am 4. Juli 2022 haben Kultur- und Wissenschaftsministerin Manja Schüle, Finanzstaatssekretär Frank Stolper und Vertreter des zukünftigen Nutzers, der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST), in der Schloßstraße 8 den Rohbau des Synagogenzentrums Potsdam besichtigt. Mit dem Bau eines Gemeindezentrums soll für die jüdischen Gemeinden in Potsdam ein gemeinsamer ritueller und kultureller Ort geschaffen und die provisorische Unterbringung beendet werden. Das Synagogenzentrum wird nach der Übergabe des Gebäudes von der ZWST betrieben. Mit dem Neubau werden den Gemeinden neben Gebetsräumen auch Begegnungsräume, wie der Veranstaltungssaal und das Besuchercafé, zur Verfügung stehen. Eine Herausforderung war, die Besonderheiten des Synagogenbaus auf dem beengten innerstädtischen Grundstück umzusetzen. Das Richtfest für den Neubau soll am 26. August 2022 im Beisein von Ministerpräsident Dietmar Woidke, der für den Landesbau zuständigen Finanzministerin Katrin Lange und Kulturministerin Manja Schüle stattfinden.

Der Bau für das neue Synagogenzentrum in Potsdam wurde im August 2021 begonnen. Die geplanten Kosten für das Zentrum belaufen sich auf rund 15,9 Millionen Euro. Am 4. Juli 2022 lud der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) zu einer Baustellenbesichtigung ein.

Kultur- und Wissenschaftsministerin Manja Schüle zeigte sich nach dem Rundgang beeindruckt vom schnellen Baufortschritt: „Vor einem Jahr haben wir mit der ZWST die Vereinbarung für den Bau eines Synagogen- und Gemeindezentrums unterzeichnet, im November haben wir den Grundstein gelegt – und jetzt ist bereits der Rohbau fast fertig, in wenigen Wochen ist Richtfest. Die jüdischen Gemeinden und die Potsdamerinnen und Potsdamer können das Wachsen der Synagoge täglich verfolgen. Und sind sicher genauso gespannt wie ich auf den fertigen Bau. Die Errichtung der Synagoge ist ein sichtbares Symbol dafür, dass jüdisches Leben in Potsdam wieder dort präsent und sichtbar sein wird, wo es hingehört: im Herzen der Stadt, in unserer Mitte. Ich freue mich darauf – und wünsche weiterhin allen am Bau Beteiligten für ihr Werk: Masel tov!“

„Wir sind zufrieden“, betonte Finanzstaatssekretär Frank Stolper bei der Baustellenbesichtigung. „Trotz akuter Liefer- und Personalengpässe im Baugewerbe gibt es bisher keine Verzögerungen im Bauverlauf. Der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen rechnet daher mit der termingerechten Fertigstellung des Bauprojektes bis März 2024.“

Abraham Lehrer, Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST): „Wir erleben seit der Grundsteinlegung des Synagogenzentrums sehr gut vorankommende Baumaßnahmen. Unser Dank gilt allen am Bau Beteiligten. Wir sind zuversichtlich, in naher Zukunft einen religiösen, kulturellen und sozialen Ort der Zusammenkunft für alle Jüdinnen und Juden in Potsdam eröffnen zu können. Die guten Baufortschritte sind Beleg einer konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit des Landes, der Architekten Haberland, der ausführenden Unternehmen und der ZWST. Die ZWST ist überzeugt, dass die ziel- und leistungsorientierte Errichtung des Synagogenzentrums der jüdischen Gemeinschaft eine attraktive Nutzung ermöglichen wird.“

Das Gemeindezentrum hat vier Obergeschosse und ist vollständig unterkellert. Das Gebäude wird als Stahlbetonkonstruktion hergestellt. Das Untergeschoss ist als wasserundurchlässige Betonkonstruktionen geplant, da das Gebäude circa 1,60 Meter im Grundwasser steht. Das Grundwasser musste während der Herstellung des Untergeschosses abgesenkt werden. Da die Gründungstiefe des Gebäudes unterhalb der Nachbarbebauungen liegt, war eine besondere Fundamentsicherung der Nachbargebäude erforderlich. Dies wurde durch ein erschütterungsfreies Düsenstrahlverfahren umgesetzt, um die vorhandene Bausubstanz zu schonen.

Der Neubau des Synagogenzentrums liegt im historischen Zentrum der Landeshauptstadt Potsdam. Das Gebäude ist Bestandteil der östlichen Neubebauung zwischen Friedrich-Ebert-Straße und der Straße „Am Neuen Markt“. Der Neubau fügt sich in die städtebauliche Situation ein, da er den historischen Stadtgrundriss in Maßstab und Kubatur aufgreift.

Die Straßenfassade ist räumlich gestaffelt. Der Synagogenraum ragt einen Meter in den Straßenraum, um seine Bedeutung von außen sichtbar hervorzuheben. Als Fassadenmaterial wird sandfarbener Ziegel mit einer entsprechenden Fugenfarbe gewählt. Damit wird einerseits an die lokale brandenburgische Ziegelbauweise angeknüpft und andererseits die weltweite konfessionsübergreifende Bautradition des Sakralbaus mit Ziegeln aufgegriffen.

Die Eingangssituation wird einladend durch einen zweigeschossigen Bogen gebildet. Dahinter befindet sich die notwendige Sicherheitsschleuse. Ein Foyer schließt sich unmittelbar an. Vom Foyer aus gelangt man in den multifunktional konzipierten Veranstaltungssaal. Die Veranstaltungsfläche dient als Besucher-Café und Vortragsraum. Beide Flächen können zu einem großen Vortrags- und Veranstaltungsraum zusammenfasst werden. Die Küche ist gemäß jüdischer Speisegesetze in getrennte Bereiche für fleischige und milchige Speisen unterteilt.

Im Untergeschoss befindet sich die Mikwe mit einem Tauchbad. Die Mikwe wird aus rituellen Gründen mit Regenwasser gespeist. Weiterhin liegen im Untergeschoss der Jugendraum, der Umkleidebereich, Räume für die Haustechnik sowie ein Lagerraum. Auch die zentrale Toilettenanlage und die Garderobe des Synagogenzentrums sind im Untergeschoss untergebracht.

Im ersten Obergeschoss befindet sich der Synagogenraum, der als Zentralraum angelegt ist. Der dreigeschossige Raum wird über ein Glasdach mit Licht versorgt. Zusätzlich bilden sieben Bogenfenster den optischen Rahmen für das religiöse Zentrum des Baus. Um die Bima, das Vorlesepult für die Thorarollen, gruppieren sich festinstallierte Sitzbänke. An der Rückseite des Raumes befindet sich vor einer ornamental gestalteten Wand der Thoraschrein. Die Frauenempore ist in den Synagogenraum integriert und wird über das zweite Obergeschoss erschlossen. Der Synagogenraum kann von 149 Personen im ersten Obergeschoss und 50 Personen auf der Frauenempore genutzt werden.

Im zweiten und dritten Obergeschoss liegen die Frauenempore, ein Aktivitätsraum mit integrierter Teeküche, die Bibliothek, der Musikraum, der Kunstraum sowie Büros. Im vierten Obergeschoss befindet sich das Verwaltungszentrum mit weiteren Büroräumen und einem Besprechungsraum. Auf der Dachterrasse können religiöse Veranstaltungen stattfinden.

Neubau des Synagogenzentrums Potsdam

Bauherr:   BLB im Auftrag des Landes Brandenburg
Architekten: Haberland Architekten BDA, Berlin
Nutzung: Synagogenzentrum für die jüdischen Gemeinden in Potsdam
als gemeinsamer ritueller und kultureller Ort
Ort:    Schloßstraße 8, 14467 Potsdam
Hauptnutzfläche: 990 Quadratmeter
Bruttogeschossfläche: 2.031 Quadratmeter
Bauzeit (Plan): August 2021 bis März 2024
Baukosten (Plan): rund 15,9 Millionen Euro

Über den BLB

Der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) ist der zentrale Partner für die Landesverwaltung Brandenburg bei den Themen Liegenschafts-, Gebäude- und Baumanagement. Als Eigentümer bewirtschaftet er große Teile des Liegenschaftsvermögens des Landes und ist gleichzeitig Vermieter. Für die Kunden im Land Brandenburg, von der Staatskanzlei über das Justizministerium bis zum Forstamt, für den Bund und bei besonderem Landesinteresse auch für Dritte, managt der BLB Bauprojekte. Weiterhin organisiert er den Fuhrpark der allgemeinen Landesverwaltung Brandenburgs. Die rund 560 Beschäftigten des BLB setzen jeden Arbeitstag ein Bauvolumen von rund 750.000 Euro um. Im gesamten Land Brandenburg verwalten sie gut 500 Liegenschaften mit fast 850 Gebäuden, bewirtschaften über eine Million Quadratmeter Nutzfläche und betreuen rund 1.500 Mietverträge.

Weitere Informationen unter www.blb.brandenburg.de.

Ident-Nr
38/2022
Datum
04.07.2022
Verantwortlich
Ingo Decker , pressestelle@­mdfe.brandenburg.de
Downloads
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38/2022
Datum
04.07.2022
Verantwortlich
Ingo Decker , pressestelle@­mdfe.brandenburg.de
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